A post about my current research on CommunicatingCommunication.com

German version below

When I tell people about my research field “communication science” they have very different ideas about what it is. Most often they think I learn how to talk to others the right way, how to negotiate, accommodate controversies or just help people to understand each other.

Well, that’s not it. It’s way different. For that reason it is great that projects like ComCom exist. Comcom stands for “Communicating Communication” and is a blog giving short insights into different research projects or perspectives from the field. The project is initiated by a team consisting of interdisciplinary communication scientists, coming from diverse universities in the Netherlands. Their attempt is “to arrive at a more thorough understanding of communication in real-life developments”. They want to “bridge the gap between communication as a scientific discipline and the implications of communication for practice and the public”. Of course, I think that’s great and I was lucky to be asked if I want to contribute with an article about my current research. Finally I can contribute to science communication for a long time. 

So this is the article. It originally published on August 13th on CommunicatingCommunication.com:

The Use of Emotions to Capture Attention on Social Media

While waiting for a bus to arrive or just to fill time, we often scroll through our social media to check what is happening in the world. Among posts of friends, acquaintances and other interesting accounts, our social media time line often shows us the news. More than 50 percent of Internet users receive their news via social media, and the average reader spends approximately 15 seconds to scan such an article.

In this short period of time, while also confronted with external stimuli from the environment (for instance at a bus stop), we impressively manage to not only make sense of what we are reading but also make up our minds about it. It is both remarkable and questionable how we are able to perform such complex processes so quickly.

Imagine reading an article about record-breaking temperatures in Europe: What can you learn from it in 15 seconds? You are probably able to read the teaser on Facebook and understand what it says, but can you make sense of the overarching meaning or complex context of the article? Does a heat wave in Europe means that climate change is real or just that the Europeans are enjoying a nice tropical summer? To decide what to think of something in such a short time, we need information that is easy to understand.

Readers can often find information that is easy to understand in user comments. A commenter can argue that the heat wave is terrible because all the flowers are dying on his or her balcony, suggesting that this is proof of climate change. Commenters frequently stuff opinions and arguments with emotions, which are very salient for readers. While quickly scanning an article, we almost automatically prefer to select emotional over rational information (e.g., scientific facts about climate change). This so-called heuristic processing style helps us to save scarce cognitive capacities in a digital environment with an overwhelming amount of information. By relying on information that is easy to process instead of systematically trying to understand details, we can absorb much more information in a short time. It is super-efficient!

But there are also downsides to the preference of emotional comments: When the bus you were waiting for finally arrives, there is no time and not enough cognitive capacity left to also process the remaining non-emotional information. Emotional information displaces other information. It can happen that a reader of the climate change article remembers the information that there was a heat wave in Europe because the flowers died on the balconies, but not the scientific elaborations in the article stating that temperature can tell almost nothing about climate change. In the end, the reader simply did not have enough time and cognitive capacity to pay attention to this.

Since attention is so limited, it becomes one of the highest goods on the Internet. News providers and other authors online are competing for it. Emotions might turn out to be a good strategy and become important for news messages on social media. Researchers already showed that comments can influence how people perceive and engage with online news content, and how people judge the news item.

Blogbeitrag über mein aktuelles Forschungsprojekt auf CommunicatingCommunication.com

Menschen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was “Kommunikationswissenschaft” ist. Viele glauben, dass ich erforsche wie man mit anderen auf die richtige Art und Weise spricht, wie man verhandelt oder Kontroversen entgegenkommt. Wenn es Streits unter Freunden gibt fällt der Blick schnell auf mich: Du hast doch studiert, wie man kommuniziert!

Nun, das ist nicht “Kommunikationswissenschaft”. Es ist ganz anders. Deshalb ist es toll, dass es Projekte wie ComCom gibt. Comcom steht für “Communicating Communication” und ist ein Blog, der kurzweilige Einblicke in verschiedene Forschungsprojekte oder Perspektiven aus der Kommunikationswissenschaft gibt. Das Projekt wird von einem Team aus interdisziplinären Kommunikationswissenschaftler*innen aus verschiedenen Universitäten in den Niederlanden initiiert. Sie wollen damit “zu einem tieferen Verständnis der Kommunikation in der Praxis gelangen” und “die Lücke zwischen der Kommunikation als Wissenschaftsdisziplin und den Auswirkungen der Kommunikation auf die Praxis und die Öffentlichkeit schließen”. Natürlich finde ich das toll und habe mich gefreut gefragt zu werden, ob ich mit einem Artikel über meine aktuelle Forschung beitragen möchte. Endlich kann ich für lange Zeit mal wieder etwas zur Wissenschaftskommunikation beitragen.

So, das ist der Artikel. Das Original wurde am 13.August auf CommunicatingCommunication.com veröffentlicht:

Emotionen nutzen, um online Aufmerksamkeit zu erregen

Während wir darauf warten, dass der Bus kommt oder auch einfach nur um Zeit füllt, scrollen wir oft durch unsere Social Media Streams, um zu sehen, was in der Welt passiert. Neben Beiträgen von Freunden, Bekannten und anderen Posts zeigt uns unsere Timeline oft Nachrichten. Tatsächlich sind es mehr als 50 Prozent der Internetnutzer*innen, die ihre Nachrichten über Social Media erhalten und der durchschnittliche Leser verbringt etwa 15 Sekunden damit, einen Artikel zu “lesen” oder wohl eher, um ihn zu scannen.

In dieser kurzen Zeit, die auch noch von äußeren Reizen aus der Umwelt (z.B. an einer Bushaltestelle) konfrontiert ist, gelingt es uns eindrucksvoll, nicht nur zu verstehen was wir lesen, sondern auch, uns einen Eindruck davon zu machen. Es ist bemerkenswert, wie wir in der Lage sind, solche komplexen Prozesse so schnell durchzuführen.

Stellt euch vor, ihr lest einen Artikel über rekordverdächtige Temperaturen in Europa: Was kannst du in 15 Sekunden daraus lernen? Du bist wahrscheinlich in der Lage, den Teaser auf Facebook zu lesen und zu verstehen, was die Inhalte bedeuten, aber kannst du die Hintergründe oder komplexen Zusammenhänge verstehen? Bedeutet eine Hitzewelle in Europa, dass der Klimawandel real ist, oder nur, dass die Europäer einen schönen tropischen Sommer genießen? Um in so kurzer Zeit Sinn aus einem Artikel zu machen und zu entscheiden, was wir von etwas halten, brauchen wir leicht verständliche Informationen.

In Nutzer*innenkommentaren finden Leser oft die nötigen leicht verständliche Informationen. Ein User kann mit einem Kommentar argumentieren, dass die Hitzewelle schrecklich ist, weil alle Blumen auf dem Balkon sterben, und dies wiederum als eindeutigen Beweis für den Klimawandel interpretieren. User verknüpfen in Kommentaren ihre Meinungen und Argumente häufig mit Emotionen, die Lesenden besonders ins Auge fallen. Beim schnellen Scannen eines Artikels ziehen wir es quasi automatisch vor, emotionale statt rationale Informationen (z.B. wissenschaftliche Fakten über den Klimawandel) auszuwählen. Dieser so genannte heuristische Verarbeitungsstil hilft uns, unsere beschränkten kognitive Kapazitäten in der überwältigenden, digitalen Umgebung, die uns viel zu viele Informationen präsentiert, zu sparen. Indem wir uns auf Informationen verlassen, die einfach zu verarbeiten sind, anstatt systematisch zu versuchen, Details zu verstehen, können wir in kurzer Zeit viel mehr Informationen aufnehmen. Das ist super effizient!

Aber es gibt auch Nachteile bei der Bevorzugung von emotionalen Kommentaren: Wenn der Bus, auf den du gewartet hast, endlich ankommt, bleibt keine Zeit mehr und nicht mehr genügend kognitive Kapazität übrig, um auch die restlichen nicht-emotionalen Informationen zu verarbeiten. Emotionale Informationen verdrängen andere Informationen. Es kann vorkommen, dass sich ein*e Leser*in des Artikels über den Klimawandel an die Information erinnert, dass es in Europa eine Hitzewelle gab, weil die Blumen auf den Balkonen starben, aber nicht an die wissenschaftlichen Ausführungen in dem Artikel, wonach die Temperatur fast nichts über den Klimawandel aussagen kann. Am Ende hatte der Leser einfach nicht genug Zeit und kognitive Fähigkeiten, um seine Aufmerksamkeit auch diesen Argumenten zukommen zu lassen.

Da die Aufmerksamkeit so begrenzt ist, wird es zu einem der höchsten Güter im Internet. Nachrichtenanbieter und andere Autoren im Internet konkurrieren darum. Emotionen könnten sich als eine gute Strategie erweisen und für Nachrichten in Social Media wichtig werden. Forscher*innen haben bereits gezeigt, dass Kommentare Einfluss darauf haben können, wie Menschen Online-Nachrichteninhalte wahrnehmen und wie Menschen die Nachricht beurteilen.

 

[Header picture is from : https://pixabay.com/]

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