Das Geheimnis um den Stimulus

Einen guten Stimulus zu erstellen erfordert einiges an intensiven Nachdenken. Es gibt viel zu beachten, wenn (in meinem Fall) die Wirkung emotionaler Nutzer*innenkommentare untersucht werden will. Ganz entscheidend sind zwei Fragen: Wie füge ich kontrolliert verschiedene Emotionen in einen Ausdruck ein UND (mindestens genauso wichtig) wie halte ich alle anderen Kommentareigenschaften konstant, damit ich etwaige Wirkungen am Ende auch auf den emotionalen Ausdruck des Kommentars zurückführen kann?

Die Untersuchung von Kommentarwirkung ist derzeit populär. Einige Forscher müssen sich bereits mit der Krux um die Stimuluserstellung von Kommentaren auseinandergesetzt haben; meint man, weiß man. Ich bin mir sicher, dass sie das auch haben. Fast genauso sicher bin ich mir außerdem, dass diese in den meisten Fällen gut durchdacht ist. (Dafür sollten zumindest die Reviewer sorgen.) Was nun trotzdem auffällt: Über Stimuluserstellung wird nur rudimentär berichtet. Wie werden Argumente von verschiedener Qualität in Kommentare gepackt, wie die Zivilität manipuliert oder die Valenz der Meinung zum Artikel – und (!) dabei die jeweils anderen Elemente konstant gehalten um sicherzugehen, dass sich die Ergebnisse auf die in der Untersuchung interessierende Eigenschaft beziehen? Das erfordert unheimlich viele Entscheidungen, die besonders in experimentellen Settings wieder und wieder, again and again, vor anderen Wissenschaftler*innen verteidigt werden müssen. Da wird schnell klar, dass in einem 8.000 Zeichen Paper dafür nicht ausreichend Platz ist. In einigen wissenschaftlichen Disziplinen wie bspw. der Politikwissenschaft oder Psychologie, wo das Experiment gängiger ist als in der KMW, wird mehr Wert darauf gelegt, die Stimuluserstellung zu berichten. Länger werden die Paper dennoch nicht, dafür der Appendix. 70 Seiten sind da keine Ausnahme, habe ich zumindest gehört.

Oft bleibt unbekannt, wie Forscher*innen bei der Stimuluserstellung vorgegangen sind. Oft bleibt sogar der Stimulus selbst unbekannt. Vielleicht stellen Autor*innen an der ein oder anderen Stelle im Fließtext einen Beispielkommentar in Klammern vor. Übersichten bleiben aber aus. Sehr geheimnisvoll. Ich meine: Ist eine Eigenschaft oder mehrere Eigenschaften, die ich manipuliere, meine unabhängige Variable, dann ist das doch eine der wichtigsten Elemente überhaupt, um echte Wirkungszusammenhänge zu erforschen? Wieso ist das so undurchsichtig?

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