Auf nach Amsterdam und in die Empirie!

Als ich diesen Blog gründete, war mir bereits klar, dass ich hier auch meine Umwege, Fehler und Konzeptänderungen festhalten und für die „Öffentlichkeit“ bereitstellen würde. Ich weiß nicht, ob es für das Bestreiten einer Dissertation in unserem Bereich „normale“ Wege gibt. Mein Blog beschreibt deswegen ganz ohne Vergleich nur meinen Weg – und der führt mich nun nach Amsterdam an die Amsterdam School of Communication Research. Kurz: ASCoR.

Wie ist es dazu gekommen?

Im November letzten Jahres habe ich mich für ein Jahresstipendium für Doktorand*innen beim DAAD beworben und nun endlich die Zusage bekommen! Ich bekomme einen achtmonatigen Forschungsaufenthalt gefördert, um eine empirische Studie zur Emotionsmessung durchzuführen. Damit ändert sich die theoretische Ausrichtung meiner Dissertation und ich musste ein neues Gesamtkonzept erstellen.

Was ist geplant?

Ich plane in Amsterdam die Messung physiologischer, emotionaler Reaktionen in der Gesichtsmuskulatur bei der Kommentarrezeption zu erheben. Diese Studie ist als Folgestudie zu Online-Gruppendiskussionen angesehen, die ich an anderen Stellen in diesem Blog bereits beschrieben hatte: Ich hatte 2017 künstliche Online-Gruppendiskussionen durchgeführt und die Proband*innen anschließend in qualitativen Leitfadeninterviews zu wahrgenommenen und empfundenen Emotionen in Bezug auf Kommentare anderer befragt. Mit den physiologischen Messungen sollen auf Grundlage der Ergebnisse der Online-Gruppendiskussionen die emotionale Wirkung von Kommentaren nicht nur anhand von Selbstberichten der Proband*innen erhoben werden, sondern auch objektive Werte in die Forschung einfließen.

Warum diese konzeptionelle Entscheidung?

Letztendlich ergibt sich die Umentscheidung aus Unsicherheiten über die Bedeutung von Emotionen im Kommentarrezeptionsprozess auf einer ganz grundlegenden Ebene: Sind es überhaupt “Emotionen”, die die Wahrnehmung beeinflussen? Im theoretischen Umgang mit dem Emotionsbegriff fiel es mir schwer dieser Frage zu begegnen, da der Begriff “Emotion” durch verschiedene Abgrezungsmöglichkeiten alles oder nichts einschließt. Das ist nichts Neues, klar. Dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, dass ein ausschließlich theoretisches Konzept damit auf einer Unklarheit fußt, die sich auf die Erkenntnisgewinnung auswirkt: Was ist, wenn es gar nicht um “Emotionen” geht – oder nicht im besonderen Maße darum? Das würde die Erkenntnisse und Ideen obsolet machen.

Ich benötige einen klaren und fixen Ausgangspunkt im Umgang damit, was Emotionen im Kommentarrezeptionsprozess sind. Wie hoch ist eine Erregung überhaupt, die durch Kommentarrezeption entsteht und die ich in diesem Sinne als “Emotion” definiere? Kommentare zu lesen ist nicht mit emotional erregenden Situationen wie dem Fliehen vor einem wilden Tier vergleichbar. Aber inwiefern mit Gesprächen, dem Lesen anderer (politischer) Inhalte oder anderen Medien? Ergo: Wie stark ist die Bedeutsamkeit, auch im Vergleich?

Zunächst lässt sich dieses Problem vielleicht mit Studienkonzepten angehen, die Emotionen mit Selbstauskunft erforschen. Leider schließt dies unbewusste Emotionen aus, die in Hinblick auf Meinungsbildungsprozesse besonders interessant sind.

Warum das ASCoR?

Im sogenannten Digital Communication Methods Lab (digicomlab) der ASCoR werden innovative kommunikationswissenschaftliche Projekte gefördert und die technischen Voraussetzungen für meine Studie erfüllt: Neben Elektromyographie (EMG) zur Messung emotionaler Reaktionen anhand von Gesichtsmuskelbewegungen kann im digicomlab Eye Tracking durchgeführt und Erregungsdaten mit visuell wahrgenommenen Inhalten in Verbindung gebracht werden. Schauen sich die Menschen die Kommentare an, wenn es zu emotionalen Erregungen kommt oder beziehen sich etwaige Emotionen auf etwas anderes, wie den Artikel, etc.? Das herauszufinden ist der aktuelle Plan.

Wie geht es weiter?

Mit der Annahme meiner Bewerbung werde ich die TU Braunschweig Ende März verlassen und entsprechend ist diesre Beitrag nur ein kleiner Teaser in große Veränderungen, die nun anstehen. Über Details halte ich hier auf dem Laufenden. Ich bin sehr glücklich über diese Chance, mit der nun auch viele große Herausforderungen auf mich zukommen. Hashtag excited!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.