Gefühlte Wissenschaft – Wissenschaftskommunikation zwischen Evidenzbasierung und Emotionsmodus

6. bis 8. Februar – 3. Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppe Wissenschaftskommunikation – bei uns an der TU Braunschweig (!) – Tagungsthemas: Gefühlte Wissenschaft – Wissenschaftskommunikation zwischen Evidenzbasierung und Emotionsmodus – Dies ist ein kleiner Bericht über eine Tagung, die den Spagat versucht hat, Wissenschaftskommunikation hinsichtlich des konkreten Themenbereiches der Emotionalisierung zu beleuchten, und gleichzeitig Forschungsinhalte und deren Bedeutung für eine Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gut so: Denn wäre eine ausschließlich nach innen gerichtete Forschung gerade in der Wissenschaftskommunikation nicht irgendwie ein Widerspruch? Ich finde schon und dennoch: Leicht ist die Vereinbarung auch in diesem Feld nicht.

Klassisch kommunikationswissenschaftlich vs. interdisziplinär und öffentlich: Ein kurzer Überblick über die Programmformate

Höchst eventuell stellt sich eine gewisse Befangenheit in Bezug auf die Einschätzung der Qualität der Tagungsorganisation ein, wenn man selbst Teil davon war, aber was soll man sagen: Auf der #Wisskomm19 gab es einfach faktisch eine große Vielfalt an Formaten im Programm, welche es zuließen, wissenschaftlichen Output traditionell in Vorträgen und Postern zu präsentieren wie auch über diskussionsorientierte Konzepte einen stärker populären Zugang zu schaffen; sowohl um interdisziplinäre Perspektiven aus Linguistik, (Sozial-)Psychologie und Journalismus zu vereinen, als auch der Öffentlichkeit Zugang zu gewähren.

Diese Formate waren (1) die Doppelkeynote zu Beginn der Tagung, auf welcher Markus Bauer von der Europäische Raumfahrtagentur seine Ideen von Emotionen aus der Praxisperspektive denen von Rainer Bromme der Universität Münster aus der psychologischen Forschung gegenüberstellte und (2) eine der Öffentlichkeit zugängliche Podiumsdiskussion mit Livestream, auf welcher auch Fragen aus dem Internetpublikum in die Unterhaltung eingeflossen sind.

In diesen doch sehr unterschiedlichen Formaten (naja, zumindest auf innerdisziplinärer Ebene) wurden Emotionen in der Wisskomm sowohl in kleinen bis größeren Studien für sehr explizite Themen und Akteur*innen behandelt als auch auf sehr allgemeinen Ebenen. Das bietet ein breites Themenspektrum, um darüber zu berichten. Ich mache es wie immer, wenn ich über eine Tagung blogge und konzentriere mich auf die Themen, die mir als übergeordnet relevant erschienen; die einen gewissen Tenor der Tagung geprägt haben und die mich besonders zum Nachdenken anregten. Für mich sind das zwei:

Werte, Normen, Einstellungen: Emotionalisierung hat damit zutun, wer wir sind und was wir für richtig halten

Über Werte vermitteln wir Emotionen. Werte bestimmen darüber, welche Emotionen unsere Rezeption von Medien und Wissenschaftsinhalten leiten. Werte und Normen werden diesbezüglich aktuell zu wenig berücksichtigt. Dass sie in emotionalen Prozessen von enormer Bedeutung sind, ist allerdings nichts neues. Das ist sogar mir schon aufgefallen, und ich habe auf meinem Blog hier und dort darüber geschrieben. Dennoch ist es eine wirklich gute Idee, diese Tatsache in der Wisskomm stärker einfließen zu lassen: Anhand von Normen und Werte lassen sich Rezipierende unterscheiden und vielleicht auch der Grad an Emotionen bestimmen, der in die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte einfließen soll. Das war zumindest ein schneller Gedanke, den ich für wichtig hielt, denn: Dass wir Emotionen benötigen, um Informationen zu vermitteln erscheint mir doch sehr klar; nicht aber, in welchem Ausmaß. Auf diese Frage wird es keine allgemeine Antwort geben, aber vielleicht eine differenzierte, die von Werten und Normen abhängig ist.

Die Rolle der*des Wissenschaftler*in(s): Glaubwürdig und selbst emotional

Geteilte Werte ermöglichen Vertrauen und schaffen Glaubwürdigkeit; ebenso wie geteilte Emotionen. Ein Weg, Emotionen in der Wissenschaftskommunikation einen größeren Raum zu geben ohne dabei vielleicht die Komplexität der Inhalte reduzieren zu müssen kann es sein, den*die Wissenschaftler*in samt echter Emotionen intensiver in die Kommunikation einzubinden, denn Emotionen anderer Personen sind im hohen Maße informativ: Sie zeugen von der Wichtigkeit der Tätigkeit, ebenso wie Expertise, Integrität und Wohlwollen. Erkenntnis: Also sind Forschungselfies doch nix schlechtes!

Fazit (oder cooler: Wrap up!)

Das war ein wirklich kurzer Einblick in sehr ereignisreiche Tage. Ihr könnt auf Twitter unter dem Hashtag #Wisskomm19 um einiges intensiver nachlesen, was passiert ist und was interessante Erkenntnisse waren.

Ich möchte mich mit dem Gedanken verabschieden, mit dem ich auch eingeleitet habe: Es ist schwierig, über komplexe Themen auf allgemeinen Ebenen zu diskutieren. Dennoch haben wir es auf der Tagung versucht und nach meiner Ansicht ist es auch gelungen; aber natürlich nur bis zu einem gewissen Grad. Neue Erkenntnisse greifbar zu machen für all jene, die nicht intensiv in der Materie stecken und gleichzeitig die Internen nicht zu langweilen, das sollte das Ziel sein. Oft drehen sich allerdings Argumente im Kreis, wenn die Diskussionsebene zu allgemein bleibt. Und dennoch ist eine allgemeine Diskussionsebene nicht nur unverzichtbar, sondern die Königsdisziplin schlechthin, wenn es gelingt, den Rezipierenden darüber etwas zu vermitteln.

Es fällt mir abschließend ein zusammenhangsloses, themenfremdes Beispiel ein, wo dies so gut gelungen ist, dass ich jetzt darauf verweisen möchte. In der Folge “Currywurst” der neuen Staffel des Tatortreinigers wird die Bedeutung von Kunst, also einem Thema, welches in der Öffentlichkeit immer präsent ist und unaufhörlich diskutiert wird, so easy peasy vermittelt, dass auch auf einer ganz allgemeinen Ebene einfach klar gemacht wird, warum Kunst wichtig und wann sie gut oder schlecht ist. Sowas müsste auch zu der Bedeutung von Emotionen in der Wissenschaftskommunikation gelingen.

Mit diesem Vorschlag beende ich den Eintrag und freue mich auf den Nächsten, in welchem ich euch voraussichtlich von phänomenalen Neuigkeiten berichten werde.

Bis bald!

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