Wissenschaftliche Ernsthaftigkeit: Wie war die DigiKomm-Jahrestagung?

In den vergangenen Tagen fand die Jahrestagung der Fachgruppe „Digitale Kommunikation“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit dem Tagungsthema Was können, wollen und sollen wir über digital vernetzte Kommunikation wissen? statt. In meinem nun dreijährigen Streben nach der Tätigkeit als Wissenschaftlerin war dies meine dritte DigiKomm-Jahrestagung, an der ich teilnehmen durfte. Langsam stellt sich ein familiäres Gefühl zu diesem Event ein, von welchem mir schon einige langjährige Wissenschaftler*innen berichtet haben. Vielleicht ist die Fachgruppe „Digitale Kommunikation“ besonders für ein Familiengefühl geeignet: Zwar ist sie die zweitgrößte Fachgruppe der DGPuK mit aktuell 390 Mitgliedern (Stand vom letzten Donnerstag), doch setzt sich die Mitgliederschaft aus vielen jungen Wissenschaftler*innen zusammen, die gemeinsam in eine Richtung zu streben scheinen und sich im Besonderen mit konstruktiven Feedback unterstützen können. Große Schübe in Forschungsprojekten können Kommentare des Plenums doch wohl gerade dann sein, wenn sie noch am Anfang stehen.

Das positive Tagungsgefühl rührt noch von einer weiteren Quelle: Die Einreichungen junger Wissenschaftler‘innen machen Panels und Sessions zu Experimentierfeldern: Vorträge präsentieren neuartige Ansätze und es werden Ideen Plätze im Programm gewährt, die noch nicht vollends wissenschaftlich durchdacht oder erforscht sind sowie methodisch innovative Ansätze vorgestellt, die zunächst ausprobiert wurden und die Gütekriterien noch nicht erfüllen können. Ich kann mir vorstellen und verstehen, dass sich dadurch der ein oder andere Tagungsteilnehmende nicht abgeholt fühlen könnte, es ihm oder ihr an wissenschaftlicher Exaktheit oder Stichprobengröße mangelt. Dass ich die Tagung als ein Ausprobierfeld für gemeinsame Ideengenerierung und Geburtstplatz für Gespräche und Projekte als besonders positiv wahrnehme, erübrigt sich von selbst. Wenn es keine Projekte gibt, in denen Routineforschung zu Gunsten von Innovation und auf Kosten von Stichprobengröße verändert wird, dann kann man auch das mit der Weiterentwicklung vergessen.

Vielleicht ist das eben beschriebene aber auch nur meine verquere Perspektive als einerseits Nachwuchs und andererseits eine der Nachwuchssprecherinnen der Fachgruppe. Wer weiß. Zuletzt noch eines: Was das jugendliche Publikum oder vielleicht auch die aktuellen Fachgruppensprecher und in diesem Fall die Organisatoren der Tagung besonders verbreiten, war ein ungewöhnlich humorvoller Umgang. Sei es bei der Eröffnung der Tagung, zur Fachgruppensitzung oder als Teil der Vorträge: Die lebensweltliche Nähe unseres Forschungsfeldes wurde immerzu mit amüsanten Beispielen eigener Alltagserfahrungen bestätigt oder parodiert. Die Entledigung einer strengen Ernsthaftigkeit im Umgang mit Kommunikationswissenschaft ist nach meinen Erfahrungen nicht zwangsläufig usus zwischen Wissenschaftler’innen (wohl sie auch sonst nicht fremd ist, denke ich da an DGPuK-Vollversammlungen geleitet durch Oliver Quiring). Meine kausale Vermutung ist dennoch: Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit digitaler Kommunikation macht lustig.

Das mag nun leicht so klingen, als hätten sich alle gegenseitig seelische Streicheleinheiten verpasst. So war’s nicht. Vielleicht passt diese Formulierung: Die Atmosphäre war ausreichend aufgeschlossen, dass Vortragende sich vor Wortmeldungen nicht fürchten mussten, sondern eher die Ohren anspitzten, um gute Ideen mitzunehmen. Vielleicht war der Umgang auch zu freundschaftlich und eine gewisse Form des Unwohlseins, was mir hier vollends gefehlt hat, gehört zu wissenschaftlichen Tagungen dazu. Um mir so eine Einschätzung zu erlauben bin ich, denke ich, noch zu nachwuchsig. Also zucke ich einfach mit den Schultern und erfreue mich an den guten Erfahrungen.

Adieu!

P.S. Ich hab in diesem Zusammenhang übrigens eine unterhaltsame und erschreckend passende Erläuterung auf Spiegel Online gefunden dazu, was wissenschaftliche Tagungen sind und wie sie funktionieren. Erwähne ich an dieser Stelle sehr zur Empfehlung: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/regeln-fuer-konferenzen-was-wirklich-auf-tagungen-geschieht-a-1146826.html

P.P.S Für einen guten Eindruck zum Happening auf der DigiKomm lässt sich der Twitterstream zum Hashtag #digikomm18 empfehlen.

 


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